Frontpage

3.1 Frontend

Sie werden schnell feststellen, dass die Beispieldaten viele verschiedene Funktionen von Joomla! zeigen, und Sie werden einen guten Überblick über die Funktionalität von Joomla! bekommen.

Struktur der Beispiel-Website
Abbildung 3.1: Struktur der Beispiel-Website

Um die Bereiche besser voneinander abgrenzen zu können, habe ich sie auf der Abbildung 3.1 markiert und beschriftet.

Die Kunst besteht jetzt darin, die für Ihre Website wichtigen Elemente zu erkennen, die unwichtigen Elemente wegzulassen und alles in einer für den Benutzer logischen, schnell überschaubaren und ansehnlichen Form darzustellen. Das Ergebnis ist immer ein Kompromiss aus Funktionsvielfalt und Gestaltung.

Vom Aufbau her erinnern die Beispieldaten an eine Tageszeitung wie die Frankfurter Allgemeine1 oder eine Portalseite wie MSN2 oder Yahoo!3. Es gibt Kästen (Module) links und rechts mit genau definierten Inhalten. In der Mitte (Main Body) stehen Nachrichten (kategorisierte Inhalte).

Das Layout der Seite bestimmt ein so genanntes Template. Templates sind austausch- und änderbar, das heißt, sie können die gleichen Inhalte in verschiedenen Layouts anzeigen. Jede Tageszeitung würde Sie um diese Möglichkeit beneiden.

Gehen wir das Beispiellayout mal genauer durch. Es gibt fünf verschiedene Kategorien von Bereichen auf der Seite.

  • Menüs

  • Inhalte

  • Werbung

  • Zusätzliche Funktionen

  • Dekorative Elemente

Menüs

Menüs sollen dem Benutzer die Navigation in der Seite so leicht wie möglich machen. Für verschiedene Aufgaben gibt es verschiedene Menüs. Joomla! hat in den Beispieldaten sechs Menüs vordefiniert. Sie können beliebig viele weitere Menüs hinzufügen oder natürlich auch abschalten. Zwei Menüs werden in unserem Beispiel übrigens nicht gezeigt. Es handelt sich um das so genannte User Menu, das der registrierte Benutzer sieht, nachdem er sich eingeloggt hat, und das Menü Key Concepts, das nur eingeblendet wird, wenn Sie auf den Link Key Concepts klicken.

Oberes Menü

Oberes Menü
Abbildung 3.2: Oberes Menü

Das obere Menü heißt in Joomla! Top Menu(Abbildung 3.2). Es befindet sich möglichst weit oben auf der Website und soll dem Benutzer einen Schnellzugriff auf die wichtigsten Inhalte geben. In Deutschland stehen in solchen Menüs oft die Begriffe Produkte, Kontakt, Niederlassungen, Impressum, Sprache.

Hauptmenü / Breadcrumbs

Das Hauptmenü (Main Menu) ist der zentrale Navigationspunkt der Seite (Abbildung 3.3). Hier sollte es immer eine Möglichkeit geben, wieder auf die erste Seite zurückzukommen. Das Menü sollte auf jeder Seite der Website an genau derselben Stelle wieder erscheinen. Das Hauptmenü ist ein wichtiger Orientierungspunkt für den Benutzer. Das Gleiche gilt für die Breadcrumbs. Diese „Brotkrümelnavigation“ soll die Orientierung innerhalb verzweigter Inhaltsbäume erleichtern. Der Name ist angelehnt an das Märchen Hänsel und Gretel. Die Brotkrümel sind in diesem Fall Links zu vorher besuchten, übergeordneten oder themenverwandten Inhalten.

Hauptmenü
Abbildung 3.3: Hauptmenü

Zusätzliche Menüs

Zusätzliche Menüs
Abbildung 3.4: Zusätzliche Menüs

Zusätzliches Menüs (Other Menu, Key Concepts, Abbildung 3.4) können an verschiedenen Stellen auftauchen (Modulpositionen). Abhängig vom Inhalt und Kontext der Seite kann es sinnvoll sein, zusätzliche Menüpunkte anzubieten, beispielsweise in einer Shop-Komponente oder wie hier die Kernkonzepte von Joomla!.

Inhalte

Da sind sie endlich. Die Inhalte! Der Content, den wir managen wollen.

Was ist Inhalt?

Inhalt kann eine Nachricht sein, ein redaktionell bearbeiteter Artikel, eine statische Seite mit Erklärungen. Inhalt kann auch eine dynamische Linkliste4 sein, ein Shop5 oder ein Flohmarkt6.

Inhalt kann auch etwas völlig Dynamisches, für jeden Offenes sein. Die freie Enzyklopädie Wikipedia7 beispielsweise benutzt zur Verwaltung ihrer Inhalte ein System, das es jedem erlaubt, die Inhalte zu ändern. Diese spezielle Form der Inhaltsverwaltung nennt sich Wiki8. Jeder Besucher darf die Inhalte verändern und sogar löschen. Es funktioniert bei Wikipedia, langfristig gesehen, erstaunlich gut, trotz häufiger Auseinandersetzungen über die Struktur und den Inhalt von Artikeln.

Das Gegenteil von Wikis sind statische Inhalte, die, einmal geschrieben, für eine lange Zeit Gültigkeit haben. Dieses Buch beispielsweise. Es wird in Bezug auf die Versionsnummern der behandelten Software veralten, bietet aber den Vorteil, dass es das Thema umfassend im Zusammenhang erklärt. Ich erzeuge Inhalte in einer bestimmten Form und betreibe somit auch eine Form von Content Management, nur nicht in Joomla!, sondern in OpenOffice9.

Prospekte, Flyer, Aufkleber, Geschäftsberichte, Betriebsanleitungen sind ebenfalls meist statischer Natur. Sie werden für ein bestimmtes Ereignis erstellt und sind dann irgendwann veraltet oder auch schlicht falsch.

Viele ältere Websites bestehen ausschließlich aus statischen Elementen. Im Internet ticken die Uhren jedoch ein wenig schneller. Was bei Büchern, Prospekten und anderen Druckerzeugnissen wohlwollend toleriert wird (schließlich kann ich das Buch auch am Strand und in der U-Bahn lesen) wird von Website-Besuchern als Mangel empfunden. Für das Image Ihrer Firma gibt es vermutlich nichts Schlimmeres als eine alte, statische Website, auf der auch noch ein »powered by ...«-Button prangt, der auf eine hoffnungslos veraltete Software hinweist.

Die Präsentationsmöglichkeiten von Inhalten sind unerschöpflich. Sie hängen vom verfügbaren Endgerät, der verfügbaren Bandbreite und vielen anderen Dingen ab, die wiederum abhängig vom Benutzer und dessen Kreativität sind. Der Empfänger der Nachricht spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Dabei fällt mir ein: Wer ist eigentlich Ihre Zielgruppe?

Es gibt eine sehr einfache Aussage, die lautet:

Content is King!

Auf den Inhalt kommt es an. Jede Webagentur würde jetzt vermutlich milde lächeln und sich an die tägliche Arbeit zur nächsten Website machen. Millionenschwere Werbeetats für Produkte wie Tiefkühlspinat oder Bier sind der beste Beweis dafür, dass eine erfolgreiche Kommunikation auch ohne speziellen Inhalt funktioniert.

Grundsätzlich ist die Aussage, dass der Inhalt das Entscheidende ist, aber richtig. Wenn Sie nichts zu sagen oder anzubieten haben, wird Ihnen niemand freiwillig zuhören. Da Sie vermutlich keinen millionenschweren Werbeetat haben, können Sie die Menschen auch nicht so einfach dazu verführen, Ihre Inhalte zu lesen. Inhaltsleere Seiten können noch so schön auf noch so vielen Endgeräten zur Verfügung stehen. Kein Mensch wird sie langfristig freiwillig besuchen.

Erste Seite/Frontpage

Inhalte werden auf der ersten Seite Ihrer Website angekündigt (Abbildung 3.5).

Startseite (Frontpage)
Abbildung 3.5: Frontpage

Inhalte haben einen Autor, in diesem Fall den Administrator, ein Erstellungsdatum, eine Überschrift, einen Aufmacher (Teaser) und vielleicht noch ein Bild. Der Aufmacher soll den Besucher neugierig machen und ihn dazu bringen, auf einen Read more ...-Link zu klicken, um die gesamte Nachricht zu lesen. Optional können Links (Icon) angeboten werden, den Inhalt als PDF zu lesen, ihn auszudrucken, oder per E-Mail an jemanden zu versenden.

Neueste Nachrichten/Am meisten gelesene Nachrichten

Die Nachricht kann jetzt in verschiedener Form angezeigt werden. Die Menschen interessieren sich meist dafür, was das Neueste ist und was die Anderen so lesen (Abbildung 3.6).

Also hat unser Beispiel-Template einen entsprechenden Bereich, in dem immer die letzten fünf Nachrichten stehen, und einen weiteren mit den am meisten gelesenen Nachrichten. Dieser zweite Bereich wird möglich, weil Joomla! sich jeden Aufruf einer Nachricht in der Datenbank merkt und die Zugriffe zählt.

Letzte Nachrichten, am meisten gelesene Nachrichten
Abbildung 3.6: Letzte Nachrichten/am meisten gelesene Nachrichten

Werbung

Wenn Ihre Website beliebt ist und die Inhalte stimmen, können Sie Werbeplatz verkaufen. Werbeplatz bedeutet meist Bannerschaltungen. Banner sind kleine Grafiken im gif-, jpg-, png- oder swf-Format, die den Besucher dazu bringen sollen, durch einen Klick auf das Banner Ihre Website zu verlassen. Wenn Sie das wirklich wollen, suchen Sie sich einen Platz in Ihrem Layout und denken Sie daran, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

Bannerbereich

Der Bannerbereich kann Textlinks (Abbildung 3.7) und Grafikbanner verwalten. Hier ein Beispiel für die gängige Bannergröße 468 * 60 Pixel (Abbildung 3.8).

Textbanner
Abbildung 3.7: Textbanner

Grafikbanner
Abbildung 3.8: Grafikbanner

Funktionen

Unter Funktionen fasse ich Seitenelemente zusammen, die benötigt werden, um beispielsweise Interaktivität zu ermöglichen. In Joomla! werden diese Funktionen innerhalb von Modulen eingebaut.

Login-Bereich

Ein Login-Modul ist wichtig, wenn Sie Ihre Website in einen öffentlichen und einen geschützten Bereich aufteilen wollen. Der Besucher muss dann die Möglichkeit haben, sich zu registrieren und anzumelden. Vielleicht vergisst er auch mal sein Passwort. Das Login-Modul sollte alle Situationen berücksichtigen können (Abbildung 3.9).

Login (Benutzeranmeldung)
Abbildung 3.9: Login-Modul

Umfragen

Da es hier um Inhalte für gewisse Zielgruppen geht, sollten Sie die Gruppe, die sich wirklich auf Ihrer Website bewegt, hin und wieder nach ihrer Meinung befragen. Das ist die einfachste Art, um an verwertbare Informationen zu kommen.

Umfrage-Modul
Abbildung 3.10: Umfrage-Modul

Joomla! hat eine Umfragekomponente integriert, deren Anzeige-Modul sich auf der Beispielseite befindet (Abbildung 3.10).

Wer ist online?

Dieses Modul geht klar in die Richtung Kommunikation, Community. Nachdem der Benutzer gesehen hat, welche Nachrichten neu und besonders beliebt sind, möchte er natürlich wissen, wer gerade noch so auf der Website unterwegs ist. In diesem Fall wird unterschieden zwischen Gästen und angemeldeten Benutzern (Abbildung 3.11).

Wer ist online?
Abbildung 3.11: Wer ist online?

Hinweis

Überlegen Sie sich gut, ob Sie solche Features auf Ihrer Website anbieten wollen. Wenn Sie im Inhalt behaupten, dass Sie die größte Klingelton-Community in Deutschland sind und sich auf Ihrer Website nur ein Gast „tummelt“, wirken Sie unglaubwürdig.

Wenn Sie dagegen wirklich ständig 10-20 Besucher und angemeldete Benutzer haben, so ist das ein gutes Mittel, um Dynamik zu demonstrieren.

Feeds

News-Feeds werden immer beliebter. Es sind standardisierte, maschinenlesbare Sammlungen von Inhalten, die dann weiterverarbeitet werden können. Also gewissermaßen der Inhalt Ihrer Website ohne den Ballast des Templates und des Layouts drumherum. Das Modul Syndication (Abbildung 3.12) bietet das Nachrichten-Feed der Website an. Mehr über diese Technik erfahren Sie in Kapitel 10.3.16.

Feed Symbol
Abbildung 3.12: Syndication-Modul

Suchfeld

Die Funktionalität hinter dem Suchfeld (Abbildung 3.13) ist ganz wesentlich für die Benutzerfreundlichkeit einer Website. Viele Seiten haben Suchfelder. Oftmals durchsuchen sie aber nur einen Teil der Website. Bei Joomla! ist das natürlich anders: Alle Inhalte werden auch wirklich durchsucht. Kommen neue Erweiterungen hinzu, so werden auch deren Inhalte durchsucht.

Sie können einen Suchbegriff eingeben und auf der Tastatur auf Enter drücken. Das Ergebnis ist eine Trefferliste, bei der der gesuchte Begriff auch optisch hervorgehoben wird.

Suchfeld
Abbildung 3.13: Suchfeld

Dekorative Elemente

Nach so vielen Funktionen, Modulen und Inhalten stellt sich die Frage nach dem Design, der Corporate Identity, des Look and Feel der Website.

Ein Template stellt das Layout der Seite dar und wird wie eine Schablone über die Inhalte gelegt. Da sich weder über Geschmack noch Schönheit wirklich streiten lässt, gibt es die Möglichkeit, verschiedene Templates für denselben Inhalt zu erstellen. Beispielsweise könnte Ihre Website im Winter anders aussehen als im Sommer oder während der Olympiade das Olympia-Outfit haben10.

Grundsätzlich besteht ein Template aus einem Logo, einer bestimmten Farbkombination, ausgewählten Schriftarten und -größen sowie der möglichst geschickten Anordnung der zur Verfügung stehenden Inhalte. Im Beispiel-Template gibt es natürlich das Joomla!-Logo (Abbildung 3.14).

Logo
Abbildung 3.14: Logo

Aussichten

Nach diesem Rundgang und eigenen Erfahrungen beim Erforschen der Beispieldaten können Sie vermutlich nachvollziehen, dass das Verwalten von Inhalten doch eine sehr anspruchsvolle Aufgabe darstellen kann. Wichtig ist dabei vor allem, nicht den Überblick zu verlieren.

10 Kapitel 13 beschäftigt sich mit dem Erstellen eigener Templates.

 

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